Du hast in Zusammenhang mit dieser Thematik sicher schon einen Blick in diverse Internetforen geworfen und warst danach verwirrter als zuvor. Ich kann das verstehen, mir ging es vor einiger Zeit genauso. Aus diesem Grund habe ich mir die Aufgabe gestellt, dich endlich einmal so in das Thema einzuführen, dass du danach alleine entscheiden kannst, was du glaubst – und was lieber nicht. Denn der Trend der letzten Jahre geht ganz eindeutig hin zum Verzicht der Haarpflegemittel-Industrie auf Silikone in Shampoos, Spülungen, Kuren und Stylingcremes und –sprays. Der Artikel ist sehr lang und erklärt erstmal, was Silikone überhaupt sind und in welchem Einsatzgebiet sie genutzt werden. Wer darüber schon Bescheid weiß, kann einfach hier durch das Inhaltsverzeichnis navigieren und zum eigentlichen Thema der Haarpflege ohne Silikone übergehen:

Was sind Silikone?

Zuerst will ich versuchen zu erklären, was Silikone überhaupt sind und was sie können. Der Einsatz dieser bringt auch manchen Vorteil mit sich, selbst wenn den manchmal niemand so wirklich sehen möchte. Die Vorteile zu kennen ist aber wichtig, wenn wir am Ende bewerten wollen, wie schädlich sie tatsächlich sind, wenn sie mit unserer  Haarpracht in Berührung kommen. Da ich dich nicht mit einer Schulstunde Chemie langweilen möchte, erspare ich dir die unspannenden Details und versuche die Sache möglichst kurz und knapp zu halten.

In der Chemie bezeichnet der Begriff „Silikone“ nichts anderes als eine Gruppe synthetischer Polymere. Innerhalb dieser Gruppe sind Siliciumatome über Sauerstoffatome miteinander verknüpft. So viel zur chemischen Struktur von Silikonen. Wer mehr wissen möchte, darf gerne das allwissende Wikipedia befragen, da gibt es einen recht guten (aber anspruchsvollen) Eintrag zum Thema.

Der erste aufmerksame Leser wird allerdings bereits jetzt aufgehorcht haben. Synthetisch? Das bedeutet, stark vereinfacht ausgedrückt: künstlich hergestellt. Polymere wiederum sind nichts anderes als Kunststoff, beziehungsweise sie bilden diesen. Jawohl, auch richtig: Derselbe Kunststoff, aus dem zum Beispiel deine Eiswürfelformen gemacht sind. Je größer die Menge an Silikon ist, die die Eiswürfelform enthält, desto weicher und biegsamer ist sie. Wir shampoonieren und spülen unsere Haare also täglich mit industriell produziertem Kunststoff. Das klingt – verständlicherweise – erst einmal nicht so großartig. Silikone können leider nicht natürlich gewonnen werden, denn in der Natur gibt es keine natürlichen Silikone. Die existieren höchstens in der Shampoo-Werbung.

Wo werden diese eingesetzt?

Entdeckt hat es 1941 zufällig – zeitgleich mit einem US-amerikanischen Kollegen – der deutsche Chemiker Richard Müller. Bald erkannte die Industrie den Nutzen des Stoffes. Bis heute kommt es in sehr vielen Bereichen unseres täglichen Lebens zum Einsatz. Silikone werden grundsätzlich in vier Klassen unterteilt und jede Klasse hat ihr eigenes Einsatzgebiet. Silikonflüssigkeit und Silikonfett werden zum Beispiel zur Isolation eingesetzt, zur Abdichtung, in Lacken, Poliermitteln oder als Schmiermittel. Aus Silikonkautschuk bestehen Eiswürfel- oder Backformen und Silikonelastomere werden im Baugewerbe als Dichtstoff verwendet. In Klasse drei und vier tummeln sich das Silikonharz und die Fluorsilikone.

Uns interessieren aber nur Silikonflüssigkeit und Silikonfett, denn diese beiden sind es, die wir in Kosmetika und Medizinprodukten finden. Du hast bisher gesehen, dass Silikone viele nützliche Funktionen erfüllen. Sie schützen oder pflegen und was sogar in der Medizin eingesetzt wird, kann eigentlich nicht schädlich sein. Prinzipiell stimmt das. Nichtsdestotrotz können Silikone Schäden verursachen. Siloxane zum Beispiel, ein Baustein für Produkte mit Silikon, galt bisher als gesundheitlich unbedenklich. In den letzten Jahren haben sich aber die Hinweise darauf vermehrt, dass er umwelt- und gesundheitsschädliche Effekte haben könnte. Im Versuch mit Ratten wurde herausgefunden, dass er die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt und Leber und Lunge schädigen könnte.

Die Auswirkungen von Siloxane sind aber bisher wenig erforscht und Gewissheit über tatsächliche Effekte auf Umwelt und Gesundheit gibt es (noch) nicht. Siloxane sind auch sehr flüchtig, das bedeutet, dass es bei Produkten, die Siloxane enthalten, zum Beispiel Babyschnuller oder Backformen, genügt, wenn sie desinfiziert und fünf Minuten lang ausgekocht werden. Der Gehalt an Siloxane ist danach deutlich minimiert. Diese Empfehlung gibt auch das Umweltbundesamt.

Was nützen Silikone in der Haarpflege?

Nach diesem kleinen Exkurs komme ich zurück zu den Silikonen in unseren Haarpflege-Produkten. Ihre rege Nutzung als Zusatz in Shampoos, Spülungen, Kuren und Stylingprodukten hat ihre Ursache vor allem in einer Fähigkeit: Silikone legen sich, sobald das Haar mit Shampoo oder einem anderen Produkt in Berührung kommt, wie ein Film um jedes Haar und schirmen es vor Umwelteinflüssen ab. Außerdem verhindert der Film einen Feuchtigkeitsverlust. Das Haar wird mehr oder weniger versiegelt. Es glänzt stärker, wirkt dicker und fester und ist vor Föhnhitze und Spliss geschützt. Silikone können Spliss zwar nicht wirklich reparieren, wie es uns die Werbung gerne verspricht, aber sie können verhindern, dass das Haar noch weiter ausfranst, indem sie die beschädigte Stelle kitten. Vor allem Mädchen und Frauen mit langen Haaren profitieren von diesem Effekt. Im Gegensatz zu vielen anderen Zusatzstoffen sind auch keine Allergien gegen Silikon bekannt. An sich ist es also erst einmal nichts, was den Haaren direkt schadet. Es besitzt viele positive Eigenschaften.

Problematisch wird es jedoch, wenn die tägliche Silikondosis zu hoch wird. Dann lagern sich auf dem Haar so viele Filmbildner an, dass Pflegestoffe es nicht mehr erreichen. Denn dies ist der Nachteil: Sie enthalten keinerlei Pflegestoffe und können das Haar daher nicht nähren. An sich brauchen sie das auch nicht, denn unser Haar ist – genau wie unsere Fingernägel – totes Horn, das vom Körper nach einiger Zeit abgestoßen wird. Da gepflegte und glänzende Haare in unserer Gesellschaft jedoch als ästhetisch empfunden werden, möchten wir gerne solches Haar besitzen und müssen von außen – mittels Pflegeprodukten – nachhelfen.

Mit einer zu hohen Menge Silikon im Haar werden die Haare unter der Oberfläche spröde, wirken nach außen hin aber weiterhin gesund. Ebenso wird das Haar unter dieser ganzen Kunststofflast sehr schwer, was besonders bei dünnem oder feinem Haar einen fatalen Effekt ergibt. Auch unsere Kopfhaut steht einem dicken Silikonfilm nicht besonders dankbar gegenüber und wird schneller fetten, außerdem kann es zu Schuppen kommen, denn ihr wird quasi die Luft zum Atmen genommen. Gerade Shampoos, Spülungen und Kuren für strapaziertes Haar enthalten oft sehr viel Silikon, ebenso Hitzeschutzsprays für Frisuren, die mit dem Föhn oder dem Glätteisen gemacht werden. Sparsam dosiert kann es unsere Haare jedoch vor mechanischen Einwirkungen schützen und Spliss vorbeugen.

Wie schädlich sind sie für die Umwelt?

Ich habe es oben bereits angedeutet: Die Wasserlöslichkeit von Silikon ist genau der Punkt, der es für die Umwelt so schädlich macht, auch wenn diese Schädlichkeit noch nicht wissenschaftlich belegt werden konnte. Jüngere Studien deuten zumindest darauf hin. Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verwenden Beauty-Produkte mit Silikonen, denn der Kunststoff ist nicht nur in Haarpflegemitteln, sondern auch in Cremes, Schminke und anderen Produkten enthalten. Du kannst dir sicher vorstellen welche Mengen Silikon sich da am Ende eines Tages im Abwasser versammeln, wenn sich im ganzen Land Menschen abschminken und duschen.

Silikone lassen sich zwar leicht auswaschen, aber der Abbau ist leider nicht so unproblematisch. Er dauert lange und besonders die größeren Teile des Silikons bleiben im Klärschlamm der Kläranlagen zurück. Dieser Schlamm wird aufgrund seines hohen Stickstoff- und Phosphorgehalts gerne von Landwirten zum Düngen ihrer Felder eingesetzt. Von dort können Bestandteile des Silikons ungehindert in Teiche, Seen, Flüsse und unser Grundwasser gelangen. Silikone schaden uns nicht direkt, kehren unter Umständen aber auf Umwegen in unseren Körper zurück. Auf Silikone in Kosmetik zu verzichten, macht daher durchaus einen Sinn und entlastet unsere ohnehin schon gebeutelte Umwelt. Im Folgenden möchte ich dir gerne noch einige silikonfreie Haarpflegeprodukte vorstellen und ein paar Tipps loswerden.

Wie kann ich die Filmbildner in der Inhaltsstoffliste erkennen?

In der Regel kannst du anhand der Inhaltsstoffliste recht leicht erkennen, ob ein Haarpflegeprodukt Silikone enthält. Stehen diese sehr weit oben auf der Liste, sind sie in hoher Konzentration enthalten, stehen sie weit unten, ist die Konzentration nicht so hoch. Ihr erkennt sie oft an der Endung –cone, wie zum Beispiel in “Dimethicone”. Das ist sozusagen der Klassiker.

Beispiel für Silikonfreies Produkt:

Die Inhaltsstoffe auf der Rückseite der Verpackkung

Beispiel für Haarprodukt mit Silikonen:

Haarpflegeprodukt, welches Silikone enthält

 

Weitere Bezeichnungen sind Cyclomethicone, Cyclopentoxilase und Dimethiconol. Diese sind nicht wasserlöslich, das heißt mit Wasser alleine bekommt Ihr sie nicht ausgewaschen. Amodimethicone, Polysiloxane, PEG/PPG-14/4 Dimethicone, Dimethicone Copolyol und Phenyl Trimethicone hingegen sind wasserlöslich und lassen sich relativ leicht ausspülen, auch ganz ohne Shampoo. In vielen Foren ist der Tipp nicht auszurotten, dass ein spezielles Reinigungsshampoo verwendet werden muss, um das lästige Silikon im Haar loszuwerden. Das stimmt nicht. Die ‚Trennungsängste‘ von nicht wasserlöslichem Silikon sind zwar höher als die seines Bruders, des wasserlöslichen Silikons, aber auch ersteres bekommt Ihr ohne Probleme mit einigen Shampoowäschen ausgeschwemmt.

Haarpflegeprodukte ohne Silikone

Natürlichere Pflege der HaareWenn du dich dafür entschieden hast, in Zukunft auf Haarpflegeprodukte zu verzichten, die Silikone enthalten, dann kannst du zum Beispiel bedenkenlos auf alle Naturkosmetika zurückgreifen. Da in der Naturkosmetik nur unbedenkliche und natürliche Zusatzstoffe verwendet werden, fallen die synthetisch hergestellten Stoffe ganz automatisch aus der Inhaltsstoffliste heraus.

Wer sich teurere Marken wie Weleda oder Lavera nicht leisten kann, kann auch auf die hauseigenen Naturkosmetikmarken von Rossmann (Alterra) oder DM (Alverde) zurückgreifen, die deutlich günstiger sind. Wer mit Naturkosmetik nicht viel anfangen kann und lieber seiner gewohnten Haarpflegemarke treu bleiben möchte, kann ebenfalls Glück haben. Aufgrund des wachsenden Bewusstseins der Konsumenten haben viele Firmen als silikonfrei ausgezeichnete Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Eventuell musst du einfach nur das Shampoo wechseln, nicht aber die Marke. Schwarzkopf bietet zum Beispiel eine silikonfreie Variante seines Schauma-Shampoos an. Leider erstreckt sich dieser Trend in den meisten Fällen noch nicht auf Kuren oder Stylingprodukte. Hier sind nun einige Produkte gegliedert in einer Liste nach Haarpflegekategorie:

Gute Shampoos ohne Silikone

  • Schauma Shampoo Silikonfrei (oben auf Bild zu sehen)
  • Lavera Ringelblumen Shampoo: Vegan mit Ringelblumenduft. Gute Ergiebigkeit und mittlere Schäumung.
  • Swiss-o-Par Arganöl Shampoo: Mit Vitamin B3 für seidigen Glanz
  • Pantene Shampoo Volumen Pur feines Haar
  • Nivea Classic Care Pflegeshampoo
  • BALEA Sensitive

Silikonfreie Spülungen

  • Schauma Spülung Silikonfrei
  • Swiss-o-Par Arganöl Spülung
  • ISANA Colorglanz Spülung
  • TRESemmé Naturals Moisture
  • organicum conditioner
  • Sante Natural Care
  • Alterra Promo

Kennst du noch andere gute silikonfreie Produkte? Dann lass es uns in den Kommentaren wissen.

Bildquelle: © LuckyImages @ photodune.com

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